[30.07.2010, 18:37 Uhr] |
DFB-Präsidium: Kein Schadensersatz für Amerell
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Frankfurt/Main (dpa) - Das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes wird die vom ehemaligen Schiedsrichterfunktionär Manfred Amerell gestellten Schadensersatzanforderungen nicht anerkennen. Dies hat das Gremium nach der DFB-Präsidiumssitzung in Frankfurt am Main mitgeteilt. Der Beschluss sei einstimmig gewesen. Der nach angeblichen sexuellen Belästigungen an DFB-Schiedsrichter Michael Kempter von seinen Ämtern im Februar zurückgetretene Amerell hatte an alle Mitglieder des Präsidiums einen entsprechenden Schriftsatz geschickt. Das DFB-Gremium war sich einig, dass die vom Anwalt Amerells formulierten Ansprüche «inhaltlich in keiner Weise nachvollziehbar sind». Jedes Mitglied des DFB- Präsidiums habe laut Anwalt Jürgen Langer die schriftliche Aufforderung bekommen, bis zum 2. August die Schadensersatzansprüche seines Mandanten gegen den Verband «materiell und immateriell» anzuerkennen. «Wenn in dieser Zeit nichts passiert, werden wir auch die Klage gegen den DFB einreichen», hatte Langer erklärt und DFB-Präsident Theo Zwanziger zum Rücktritt aufgefordert: «Ein DFB-Präsident, der den Fall so behandelt, ist nicht mehr tragbar.» Am Freitagmittag hatte Zwanziger mitgeteilt, dass er sich auf dem DFB-Bundestag im Oktober wieder zur Wahl stellen wird. In der Auseinandersetzung zwischen Amerell und Kempter hat das Präsidium entschieden, neue Vorwürfe von Amerell zum Anlass zu nehmen, den gesamten Sachverhalt noch einmal durch den Kontrollausschuss und die Schiedsrichterkommission intensiv prüfen zu lassen. Amerell hatte unter anderem den DFB-Schiedsrichterausschuss und das DFB-Präsidium angeprangert, dass er Kempter trotz eines schwebenden Verfahrens gegen den Referee für das am (morgigen) Samstag angesetzte Drittliga-Spiel zwischen dem SV Sandhausen und Kickers Offenbach pfeifen soll. Auf der Grundlage einer durch den DFB-Vizepräsidenten Hans-Dieter Drewitz zu begleitenden Untersuchung sollen die Präsidiums-Mitglieder dann eine abschließende Entscheidung treffen, ob oder in welcher Form Kempter als Schiedsrichter in Zukunft eingesetzt werden kann. Bis zur Klärung des Sachverhaltes werde Kempter nach Absprache zwischen Herbert Fandel, dem Leiter der Schiedsrichterkommission, und Lutz-Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter, nicht mehr angesetzt. Dadurch solle gewährleistet werden, dass «der Fall mit der nötigen Ruhe möglichst schnell aufgearbeitet werden kann». Kempter war für den 31. Juli als Leiter der Drittliga-Partie zwischen dem SV Sandhauen und Kickers Offenbach vorgesehen, doch der Unparteiische muss jetzt erstmal zuschauen. Wann oder ob er wieder pfeifen darf, ist ungewiss. Kempter droht ein frühes Ende seiner Karriere. Der 27-Jährige hatte Amerell zu Jahresbeginn vorgeworfen, ihn sexuell belästigt zu haben. Amerell bestreitet dies und war am 12. Februar von all seinen DFB-Ämtern zurückgetreten. In der vergangenen Woche hat er vor dem Landgericht Hechingen eine Schadensersatzklage gegen Kempter eingereicht. Als Streitwert wurden von Amerells Anwalt Jürgen Langer 150 000 Euro angesetzt. |